Die Bahn macht mobil

Mittwoch, 25. März 2009

 Die  Reiseanalyse brachte es an den Tag: Erstmals seit Jahren hat die Deutsche Bahn wieder zugelegt. Wenn es nach Dr. Oliver Haferbeck geht, zuständig für Produktmanagement und Zielmärkte, soll das erst der Anfang sein. „Wir räumen alle Argumente aus, die gegen eine Bahnreise sprechen“, gibt der Manager ein Ziel vor.  Nicht nur auf der Schiene  will die Deutsche Bahn in Zukunft mobil machen.  Dafür bündelt Haferbeck möglichst viele Mobilitätsbausteine – Carsharing, Gepäcktransport, Rail & Fly, Call a bike – unter einem Dach und vertreibt sie über die DB-Vertriebswege. So will sich die Bahn als Spezialist für maßgeschneiderte Mobilität profilieren.

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Sie sind derselbe Jahrgang -1974 - und doch ganz unterschiedlich. Gaelle Guernalec-Levy und Guillaume Musso. Sie, blonde Mähne und Mannequin-Figur, hat soeben ihr erstes Buch herausgebracht, einen erotischen Roman. Er, dunkler Kurzhaarschnitt, Typ großer Putto, hat in den letzten fünf Jahren fünf Bücher veröffentlicht, allesamt romantische Bestseller, in denen viel Liebe vorkommt aber kaum Sex. Wir trafen beide im südfranzösischen Künstlerstädtchen Antibes.

"Erotik oder Romantik: Zwei junge französische Autoren geben Auskunft" vollständig lesen

Sie hören die stille der Möbel, die Stille der Rohre, vielleicht auch die Stille des Blutes. Sie fühlen die Leere des Lebens, die Angst vor dem Tod, sie fahnden nach den Schrecken der Vergangenheit in allen Ecken, auch wenn sie daran zu Grunde gehen. Antonio Lobo Antunes erweckt in seinem Roman “Gestern in Babylon habe ich dich nicht gesehen” zwischen Mitternacht und fünf Uhr morgens einen vielstimmigen Chor von Männern und Frauen zum Leben. Ein babylonisches Sprachgewirr, das sich selbst überlagert und den Leser in ein Labyrinth der Erinnerungen zerrt.

"Nächtliche Albträume: Antonio Lobo Antunes' "Gestern in Babylon habe ich dich nicht gesehen" " vollständig lesen

Nein, er mag sie nicht, die Touristen, die Reisen wie Fast Food konsumieren und statt sich auf Land und Leute einzulassen in ihre Kameras und Camcorders starren. Die Demokratisierung des Reisens ist ihm ein Graus und aus seiner Verachtung macht er kein Hehl.

"Reisen um zu staunen: Andreas Altmanns "Sucht nach Leben"" vollständig lesen

Flirt mit der grünen Fee

Dienstag, 3. März 2009

Das Plakat draußen macht Lust: Ein Mann mit Zylinder und Monokel sitzt vor einem Glas, aus dem sich ihm verführerisch eine grüne Fee entgegen reckt. Den Zylinder braucht man nicht für einen Besuch in Frankreichs einziger Absinth Bar in Antibes. Dany, der elsässische Besitzer, hat vorgesorgt und jede Menge Hüte in der winzigen Kellerbar gestapelt. So kann man sich fühlen wie Vincent van Gogh oder Henri Toulouse Lautrec, Edgar Allen Poe oder Arthur Rimbaud, die allesamt gerne mit der grünen Fee flirteten, die ihnen nach reichlich Absinth-Genuss ihren Besuch ankündigte.

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Natürlich muss man Mut zur Lücke haben, wenn man Europas Sehnsuchtsziele in ein Buch packen will. 100 Ziele sollten es  sein, die es dem Autor und Fotograf Wolfgang Rössig wert sind, sie näher zu beschreiben. Dass dabei ganz Deutschland unter den Tisch fällt, ist allerdings etwas befremdlich. Schließlich ist Deutschland integraler Bestandteil Europas und für viele Deutsche immer wieder eine Reise wert.

"Europäische Tour de Force : Wolfgang Rössig über 100 Sehnsuchtsziele in "Europa neu entdecken" " vollständig lesen

Besuch bei Picasso in der Provence

Dienstag, 3. März 2009

Dieses Licht ist einfach anders, klarer, strahlender. Unter dem Frühlingshimmel holt sich die Cote d’Azur einen Farbenrausch in grün, blau, gelb und rot, als hätte die Landschaft zu viel Absinth getrunken. Das Grau der Stadtmauer und des ehemaligen Grimaldi-Schlosses in Antibes kontrastiert lebhaft mit dem Blau des Meers. Ein Bild an der Uferpromenade wie ein Destillat all dieser Eindrücke: „Nächtliches Fischen in Antibes“ hat Picasso das farbenfrohe Werk genannt.

Der große Maler hat 1946 ein paar Monate in Antibes/Juan les Pins verbracht und im ehemaligen Grimaldi-Schloss, das damals schon Museum war, seine Werkstatt aufgeschlagen. Heute trägt das wehrhafte Gebäude seinen Namen und beherbergt auch die 23 Bilder und 44 Zeichnungen, die Picasso während seiner Zeit in Antibes geschaffen und den Gastgebern hinterlassen hat.

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Abschied vom Wachstumsdenken

Montag, 2. März 2009

 Queensland versinkt in Wasserfluten, in China herrscht Dürre, am Himalaja schmelzen die Gletscher und in Dubais Wüste werden Skipisten gebaut. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Vielleicht ist das Thema Nachhaltigkeit gerade deshalb so wichtig – auch in Zeiten der Wirtschaftskrise.

In der Touristischen Runde diskutierten Experten darüber, was Nachhaltigkeit ist und wie nachhaltiger Tourismus aussehen müsste.

Anke Biedenkapp, Gründerin und Geschäftsführerin des Reisepavillon, ist überzeugt davon, dass das Thema Nachhaltigkeit, vor gut 20 Jahren noch als reichlich exotisch belächelt, „in der Mitte der Gesellschaft“ angekommen ist. Mit den drei Säulen Ökologie, Ökonomie und soziale Entwicklung sei Nachhaltigkeit gerade in wirtschaftlich kritischen Zeiten wichtig. Die Tourismusbranche könne es sich nicht leisten, den Ast abzusägen, auf dem sie sitze, indem sie weiterhin menschliche und natürliche Ressourcen ausbeute. Den Reisepavillon, bei seiner Gründung „ein wichtiger Katalysator für alle, die sich zum Thema Nachhaltigkeit vernetzen wollten“, sieht sie bis heute als „Schnittstelle für unterschiedlichste nachhaltige Projekte“, an der nicht nur Kleinstveranstalter beteiligt sind, sondern auch Reiseriesen wie die TUI.

Andreas Koch, Leiter Qualität- und Umweltmanagement der TUI, ist denn auch stolz auf die Umwelt-Bilanz des europäischen Marktführers. Er macht aber auch klar: „Wir müssen wirtschaftlich erfolgreich sein, um uns auf anderen Feldern engagieren zu können.“ Deshalb sei es nötig, den Kunden nicht aus dem Blick zu verlieren. Und da habe sich einiges geändert. Bei den Lohas (Lifestyle of Health and Sustainability) etwa, den Menschen, die Wert auf Gesundheit und Nachhaltigkeit legen, kämen Umweltaktivitäten gut an. Daran würde auch derzeitige Wirtschaftskrise nichts ändern. Als beispielhaft für das Engagement der TUI nannte er das jüngste Wiederaufforstungsprogramm auf den Balearen, die jährliche Wahl eines Umweltchampions, die Zertifizierung des Unternehmens nach dem weltweit höchsten unabhöngigenUmweltstandard ISO 14001  und den ersten grünen Katalog 2008.

Für Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des Forums anders reisen, in dem sich kleine und mittlere Veranstalter zusammengetan haben, sind solche Einzel-Projekte zwar ehrenvoll, wichtig ist ihm aber „die ganze Wertschöpfungskette“, das heißt vor allem die Frage, „wie viel vom Reisepreis bleibt im Land“. Deshalb hat er eine CSR-Zertifizierung entwickelt, die „das Kerngeschäft hinsichtlich der Nachhaltigkeit messbar“ machen soll und bei der auch die unternehmerische Sozialverantwortung auf den Prüfstand komme. Bis 2010 sollen seiner Vorstellung nach alle Forum-Mitglieder zertifiziert sein. Letztlich gehe es darum, die Unternehmen Schritt für Schritt zu verbessern.

Sensibilisierung ist für Walter Krombach, Geschäftsführer der Willy Scharnow Stiftung, ein wichtiges Stichwort. Die Stiftung will Reiseverkäufern Gelegenheit geben, sich selbst weiter zu bilden und nimmt Nachhaltigkeit verstärkt in diese Programme auf. Krombach ist überzeugt davon, dass sich in der Krise auch das Reiseverhalten ändern wird. „Wir müssen Abschied nehmen vom Wachstumsdenken“, mahnt er. „Es wird nicht immer neue Zuwächse geben.“

Massentourismus ist nicht die Sache von Studienreise-Veranstaltern. Auf die Inhalte kommt es an, glaubt Frano Ilic von Studiosus. Organisierte Begegnungen mit Einheimischen gehören seit 2005 zum Programm des Münchner Studienreise-Spezialisten. Solche freiwilligen Zusammenkünfte könnten von für beide Teile von Nutzen sein. Für die Menschen vor Ort bedeuteten sie mehr Einkommen, für die Touristen mehr Einblick. Allerdings müssten die Begegnungen umsichtig geplant und die Reiseleiter sensibilisiert sein. Dann könnte ein Treffen mit der Übersetzerin von Orhan Pamuk in Istanbul oder ein Tag mit Dörflern in Agrigent das Verständnis für Land und Leute nachhaltig vertiefen.

Vor allem um die Natur geht es der Kooperation „Alpine Pearls“, die eine „umweltpolitische Nische kommunizieren“ will, so Geschäftsführerin Karmen Mentil. Propagiert wird „sanft-mobiler Urlaub“ in 21 Alpenorten in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Slowenien und in der Schweiz. Nachhaltigkeit, Klimaschutz und touristische Qualität sind die Ziele der alpinen Perlen, die unter anderem auch mit der TUI zusammenarbeiten. Gepäckservice, Elektrofahrräder vor Ort und kostenlose Nutzung des Nahverkehrs sollen den Urlaubern den Abschied vom Auto auf Zeit schmackhaft machen. Wer dann noch umweltfreundlich anreist, komme ohne Stau und Maut ans Ziel – „ein echter Luxus“, wie Mentil wirbt.

In der anschließenden Diskussion gab es dann doch noch viel Schelte für die Bahn, die oft zu teuer und unflexibel sei, so dass immer noch viel zu viele Touristen trotz Staugefahr und Stress die Anreise mit dem Auto wählen. Den Verzicht auf Fliegen wollte niemand propagieren. Vor allem für Reisen in die Ferne sei das - umweltschädliche -Flugzeug unersetzlich. Allerdings waren sich alle Experten einig, dass trotz Klimadiskussion zu wenig Reisende   CO²-Kompensationen etwa bei atmosfair leisteten. Noch ist der Emissionshandel freiwillig, aber 2012 soll er auch für den Luftverkehr zur Pflicht werden. Spätestens dann werden Flüge teurer und vielleicht auch weniger.                 

„Es gibt wohl nichts Schöneres als sich in einem Wiener Cafe nach Ägypten zu sehnen“. 

In ihrem Reiseroman  „Vergiss Ägypten“ erzählt die große österreichische Autorin Barbara Frischmuth, warum das so ist.  Zum fünften Mal fliegt ihr Alter Ego, die  Schriftstellerin Valerie in das Land am Nil, um ihre Freundin Lamis zu treffen – aber auch um den Spuren einer alten Liebe zu folgen.

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