Reiseführer: Peru in schwarz-weiß

Freitag, 23. Mai 2008

Peru Reisekompass. Nah dran: Bis nach La Paz
(Buch)
Autor: Hella Braune, Frank Semper

Verlag: Geocenter

Erschienen am: 2008-03

Seiten: 500

ISBN: 3980595331


Nah dran sein wollen Hella Braune und Frank Semper Land und Leuten in ihrer Reisekompass-Reihe und im Band Peru sind sie das auch. Die Reisekompetenz der beiden schlägt sich nicht nur in sehr detaillierten Touren- und Übernachtungstipps, in präzisen Angaben zu Hotels und Restaurants und in kundigen Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten nieder, sondern auch im einleitenden geschichtlichen Abriss und der Einordnung der gegenwärtigen Politik.


 


Braune und Semper nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie aktuelle Probleme anprangern.  Perus Ex-Präsident Alberto Fujimori wird schon in der Titelzeile als „Politkrimineller“ eingeführt, der derzeitige Präsident Alan Garcia erscheint wegen seiner verlustreichen ersten Amtszeit als „Katastrophenpräsident“. Auch der Tourismus und seine Folgen werden nicht beschönigt. Längst droht seine  Anziehungskraft für das Weltkulturerbe  Machu Picchu zur Gefahr zu werden. Den geschätzten Ansturm von 4000 bis 5000 Besuchern könnten die rätselhaften Inka-Ruinenfelder nicht verkraften, fürchtet die Unesco und droht damit, Machu Picchu auf die Rote Liste gefährdeter Weltkulturerbestätten zu setzen.

Braune und Semper richten aber den Blick auf etwas anderes, auf das wachsende Aguas Calientes am Fuß des Berges: Man könne der großenteils indigenen Bevölkerung vor Ort nicht vorwerfen, dass sie vom Tourismus-Boom profitieren wolle, schreiben die Autoren und: „Nun ist das Fingerspitzengefühl nationaler wie internationaler (Kultur)Funktionäre gefragt, Machu Picchu für kommende Generationen zu bewahren, ohne den Anwohnern ihre Einkommensquellen und ihr Recht auf eine angemessene Entwicklung zu nehmen.“  Interessierten Touristen bieten Braune und Semper Alternativen zum Massenziel Machu Picchu wie die Ruinen von Vilcabamba und sie ermuntern dazu, auch mal bei den Indios zu übernachten. Auf 480 Seiten stellen die Verfasser dar, das Peru weit mehr zu bieten hat als Cusco, Machu Picchu und den Titicacasee. Ausführlich gewürdigt werden auch die Hauptstadt Lima, der Amazonas und die Cordillera Blanca. Auch im etwas eigenwilligen Glossar bekommt der gründliche Leser  ein Stückchen Entwicklungsgeschichte mit: vom Häuptling (curaco) über den Terroristen (tuco) bis zum Spitzel (sapo). Nach Lektüre des Buches fühlt er sich selbst wohl eher als yunta, als Freund des Landes. Bei der geballten Ladung an wirklichen Insider-Tipps und gründlichen Informationen kann man auch verschmerzen, dass die sonst in Reiseführern üblichen bunten Bilder fehlen.     

Info: Hella Braune und Frank Semper: Peru – Reisekompass, in der Reihe „Nah dran“, Sebra-Verlag, 484 Seiten, 23,90 Euro, ISBN3-9805953-3-1   


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