Aschewolke und kein Ende: Tourismusbranche zwischen Hoffen und Bangen
Dienstag, 25. Mai 2010
Eyafjallajökull – der Zungenbrecher ist in aller Munde. Im April hatte der Ausbruch des bislang weitgehend unbekannten isländischen Vulkans fast den gesamten europäischen Luftverkehr rund eine Woche lahm gelegt. Die Schließung von Hunderten von Flughäfen hatte ein beispielloses Chaos ausgelöst, mehr als acht Millionen Reisende waren auf den Flughäfen sitzen geblieben, die Airlines fuhren Milliardenverluste ein und die Reisebranche musste Einbußen in Millionenhöhe hinnehmen, weil gebuchte Reisen abgesagt werden und Reisende, die in den Urlaubsländern festsaßen, versorgt werden mussten. Und niemand weiß, wie es weitergeht. Die Unkalkulierbarkeit dieser Aschewolke ist die eigentliche Bedrohung, räumten die Referenten der Touristischen Runde ein. „Wie verwundbar ist der Tourismus?“ war das Thema des spannenden Abends.
Während der Aprilsperrung habe der Flughafen München pro Tag vier
Millionen Euro verloren, klagt Achim Bues, Pressesprecher des Flughafens
München: Landeentgelte und Abstellgebühren. Hinzu kam der fehlende
Konsum der Passagiere, gähnende Leere in den Läden, den Restaurants und
den Parkhäusern. 540 000 Passagiere waren von den Ausfällen betroffen,
5900 Stars und Landungen konnten nicht stattfinden. „Das war schon
dramatisch“, sagt Bues. Es gab Feldbetten für Passagiere im Transit und
solche, für die kein Hotelzimmer mehr frei war. Im öffentlichen Bereich
des Terminal 2 sollten Zelte wenigstens einen Hauch von Privatsphäre
vermitteln. Dann, als man schon sicher war, alles überstanden zu haben,
kam am 10. Mai, einem Sonntag, völlig überraschend eine erneute Sperrung
am Nachmittag –ohne jede Möglichkeit, die Passagiere frühzeitig zu
informieren. Für den Flughafen, der nach einem harten Winter und dem
Streik der Lufthansa-Piloten gerade wieder in die Gänge kam, eine
bittere Zeit. „Wir planen ja auch eine dritte Start- und Landebahn und
da gehen solche Rückschläge an die Substanz“, so der Flughafensprecher.
Noch dazu wisse niemand, wie es weiter geht. „Bis heute Nacht kann ich
vielleicht Entwarnung geben. Aber es gibt keine längere Vorlaufzeiten.“
Schon wegen der Unsicherheiten würden Reisepläne umgeworfen. Bues: „Uns
entgeht da viel.“
Gerade in der Krise hat allerdings die schon längst tot gesagte
Pauschalreise ihre Existenzberechtigung bewiesen. Die Pauschalreisegäste
fielen in ein Sicherheitsnetz. „Wir können in bedrohlichen Situationen
nicht dem Gast den Reisevertrag vor die Füße werfen“, begründet Ulrich
Heuer, Leiter des Krisen und Sicherheitsmanagements bei der TUI, die
Entscheidung des Marktführers, die Reiseverträge nicht wegen „höherer
Gewalt“ zu kündigen. Heuer spricht von „riesigen Herausforderungen“, vor
die der Vulkan die Branche gestellt habe. „Aber man hat ja Strukturen
und ist auf Krisen vorbreitet, wenn auch nicht auf diesen Fall, der in
seinem Ausmaß alle Vorstellungen gesprengt hat.“ Es gebe aber Leitlinien „an denen wir unser Handeln ausrichten und die uns Orientierung geben." Trotzdem sei Kreativität gefragt, der Mut zur Entscheidung. In Hannover habe man zum Beispiel kurzerhand – zusätzlich zur Flugleitzentrale - eine Busverkehrszentrale eingerichtet, um heimkehrwillige Gäste auf dem Landweg zurückzubringen. Kommentare (0) Trackbacks (0)
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Während der Aprilsperrung habe der Flughafen München pro Tag vier
Millionen Euro verloren, klagt Achim Bues, Pressesprecher des Flughafens
München: Landeentgelte und Abstellgebühren. Hinzu kam der fehlende
Konsum der Passagiere, gähnende Leere in den Läden, den Restaurants und
den Parkhäusern. 540 000 Passagiere waren von den Ausfällen betroffen,
5900 Stars und Landungen konnten nicht stattfinden. „Das war schon
dramatisch“, sagt Bues. Es gab Feldbetten für Passagiere im Transit und
solche, für die kein Hotelzimmer mehr frei war. Im öffentlichen Bereich
des Terminal 2 sollten Zelte wenigstens einen Hauch von Privatsphäre
vermitteln. Dann, als man schon sicher war, alles überstanden zu haben,
kam am 10. Mai, einem Sonntag, völlig überraschend eine erneute Sperrung
am Nachmittag –ohne jede Möglichkeit, die Passagiere frühzeitig zu
informieren. Für den Flughafen, der nach einem harten Winter und dem
Streik der Lufthansa-Piloten gerade wieder in die Gänge kam, eine
bittere Zeit. „Wir planen ja auch eine dritte Start- und Landebahn und
da gehen solche Rückschläge an die Substanz“, so der Flughafensprecher.
Noch dazu wisse niemand, wie es weiter geht. „Bis heute Nacht kann ich
vielleicht Entwarnung geben. Aber es gibt keine längere Vorlaufzeiten.“
Schon wegen der Unsicherheiten würden Reisepläne umgeworfen. Bues: „Uns
entgeht da viel.“
Gerade in der Krise hat allerdings die schon längst tot gesagte
Pauschalreise ihre Existenzberechtigung bewiesen. Die Pauschalreisegäste
fielen in ein Sicherheitsnetz. „Wir können in bedrohlichen Situationen
nicht dem Gast den Reisevertrag vor die Füße werfen“, begründet Ulrich
Heuer, Leiter des Krisen und Sicherheitsmanagements bei der TUI, die
Entscheidung des Marktführers, die Reiseverträge nicht wegen „höherer
Gewalt“ zu kündigen. Heuer spricht von „riesigen Herausforderungen“, vor
die der Vulkan die Branche gestellt habe. „Aber man hat ja Strukturen
und ist auf Krisen vorbreitet, wenn auch nicht auf diesen Fall, der in
seinem Ausmaß alle Vorstellungen gesprengt hat.“ Es gebe aber Leitlinien „an denen wir unser Handeln ausrichten und die uns Orientierung geben." Trotzdem sei Kreativität gefragt, der Mut zur Entscheidung. In Hannover habe man zum Beispiel kurzerhand – zusätzlich zur Flugleitzentrale - eine Busverkehrszentrale eingerichtet, um heimkehrwillige Gäste auf dem Landweg zurückzubringen. Kommentare (0) Trackbacks (0)
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