Mehr Meer für den Mont St. Michel

Dienstag, 5. Oktober 2010

Der Fels des Erzengels Michael an der Mündung des Cuesnon im Wattenmeer der Normandie soll seine Magie zurück erhalten. Dem Weltkulturerbe, Jahrhunderte lang Wallfahrtsort und heute eines der bedeutendsten Touristenziele Frankreichs, droht sein Insel-Dasein abhanden zu kommen. Durch den Bau eines Straßendamms im 19. Jahrhundert versandet die Bucht immer mehr. Mit einem 200-Millionen-Euro Projekt will Frankreich dem heiligen Berg wieder seine Wattlandschaft zurückgeben und den Besuchern ermöglichen, den Mont St. Michel im Spiel der Gezeiten zu erleben.




Mit den Bauarbeiten wurde 2006 begonnen. Der Gezeitendamm an der Mündung
des Cuesnon ist schon fertig. Er funktioniert ganz ähnlich wie
eine Toilettenspülung: Bei Flut fließt das Meerwasser durch die Sperre
ins Flussbett. Wenn sie bei Ebbe geöffnet wird, kann das Wasser mit
großem Druck abfließen und dabei Sand und Sedimente aus der Bucht
abtransportieren. Das Ganze soll dazu führen, dass in rund 35 Jahren der
Boden um einen halben Meter sink. „Die Landschaft wird um mehrere
Generationen verjüngt“, heißt es dazu euphorisch im Besucherzentrum.

Noch ist es nicht soweit. Bis 2012 muss erst einmal der alte
Straßendamm, auf dem Busse, Wohnwagen und Autos die Parkplätze am Mont
St. Michel
erreichen, abgebaut werden. Ein neu gestalteter – nicht
allgemein zugänglicher - Damm soll sich ebenso in die Umgebung
integrieren wie die „Passarelle“, eine transparente Stelzenkonstruktion.
Natürlich wird es dann auch keine inselnahen Parkplätze mehr geben.
Derzeit entstehen ein paar Kilometer weit entfernt neue Parkplätze, von
denen aus ein Pendelbus die Touristen zum  Mont St. Michel bringen wird.
Was derzeit für Diskussionen sorgt, ist die Tatsache, dass Parkplätze
und Abfahrtsort des Busses rund 400 Meter auseinander liegen. Die
heutigen Besucher des heiligen Berges sind eben keine Pilger, die gerne
einen langen Fußmarsch auf sich nehmen.

Nur die zwölf Brüder und Schwestern der „Bruderschaft von Jerusalem“,
die seit einigen Jahren im Kloster (getrennt) leben und (vereint) beten,
interessiert das alles wenig. Sie leben in klösterlicher
Abgeschiedenheit wie einstmals die Benediktiner und sind doch auf der
Höhe der Zeit, wie ihre website zeigt: www.abbaye-montsaintmichel.com



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