BUGA Koblenz: Blütensommer am Rhein

Dienstag, 28. Juni 2011

Die Bäume wachsen zwar nicht in den Himmel, auch wenn 295 Bäume extra für die Bundesgartenschau 2011 gepflanzt wurden und im Koblenzer Festungspark drei „Wishing Trees“ stehen, hohe Bäume, denen die Amerikanerin Chrysanne Stathacos Metallplättchen umgehängt hat, die mystisch das Sonnenlicht reflektieren. Aber in einer der Hallen fügen sich Gurken zu Baumskulpturen, wachsen Kohlrabi und Paprika an ebensolchen und macht ein Orchester weißer Männer lautlose Musik. „Koblenz verwandelt“ ist das Motto dieser Bundesgartenschau, die Koblenz anstelle von Duisburg ausgerichtet hat. Und das tut die Schau, die sich zu beiden Seiten des Rheins ausbreitet, auf vielfältige Weise.




Die auffälligste ist wohl die Seilbahn über den Rhein. Sie verbindet die
Anlagen rund ums Kurfürstliche Schloss und das Deutsche Eck mit denen
auf der Festung Ehrenbreitstein. Die 18 Gondeln der laut Eigenwerbung
„größten Seilbahn Europas außerhalb der Alpen“ sind allesamt
barrierefrei. Eine ermöglicht durch einen Glastisch den Blick nach unten
geradewegs auf die Fluten des Rheins. Gebaut wurde die BUGA-Seilbahn,
die sogar Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometern stand hält,
von der österreichischen Firma Doppelmayr, die auch das wirtschaftliche
Risiko trägt. Die Seilbahn wird die Bundesgartenschau überdauern und
bis Ende 2013 stehen bleiben.
Schon heute allerdings wünschen sich viele Koblenzer, die mit ihren
BUGA-Tickets die ebenso schnelle wie spektakuläre Verbindung über den
Rhein nutzen, dass auch diese Seilbahn ihnen erhalten bleiben möge. So
wie vieles, was die Stadt im Rahmen der Bundesgartenschau und der dafür
notwendigen Investitionen – das Gesamtbudget betrug 102 Millionen Euro -
verändert hat. Das Schloss, bisher kaum präsent im Stadtalltag, öffnet
den Mitteltrakt – eine offene Achse hin zum Rhein. Am nach Lenné
gestalteten Schlossgarten werden sich die Koblenzer ebenso weiter
delektieren können wie an den Sitzstufen am Rheinufer und dem
Wasserspielplatz am Deutschen Eck, dem neuen Stadtbahnhof und den
Ufer-Anlagen. Auch dass die Festung Ehrenbreitstein komplett saniert
werden konnte, ist der Bundesgartenschau zu verdanken, die sich die
Koblenz
er nach der Absage Duisburgs listig gesichert haben. Besucher
können die Festung nun tatsächlich erleben: Auf einem Festungsrundgang.
Auf dem Schlossplatz, wo sie Hans Arps „Bewegtem Tanzgeschmeide
begegnen, eine Leihgabe des Arp Museums Bahnhof Rolandseck. Im
Festungsgraben, wo sie die Gartenschätze der Region vorfinden und selbst
auf dem Dach des archäologischen Museums, wo sie sich ein Bild von
einem historischen garten machen können. Es gibt eine Lenné-Ausstellung
und eine Ausstellung zum Kulturerbe.
Vor allem aber gibt es hier oben jede Menge Blumen, die mit ihrer
Strahlkraft in Honiggelb, Orange und Blutrot jedem Sonnenuntergang
Konkurrenz machen. Es gibt Hunderte von Rosen, duftenden alten mit
dicken Köpfen bis hin zu modernen Rosen, denen der Duft längst
ausgetrieben wurde und die so gestylt wirken als kämen sie grade aus
einer Designer-Werkstadt. Es gibt Hausgärten, an denen sich
Hobby-Gärtner ein Beispiel nehmen können, und Blumenhallen mit einer
Fülle von Orchideen und einem Teich voller Gerbera-Blüten, kunterbunt
wie Smarties. Es gibt weiße Zellen, in denen Biodiversität thematisiert
wird und einen Hain, in dem Friedhofsgärtner mit vielen Beispielen ihren
Anspruch untermauern, der da leicht makaber lautet: „Es lebe der
Friedhof“.

Den schönsten Blick über das Blütenmeer, hinunter zum Rhein und hinüber
zu den Anlagen rund ums Kurfürstliche Schloss aber hat man von einer
Holzkonstruktion, in deren Wandelgängen der Lebensraum Wald thematisiert
wird, interaktiv und so liebevoll, dass Kinder kaum mehr wegzubringen
sind von Fenstern, in denen sie Holzinstrumente zum Klingen bringen oder
den Bäumen unter die Rinde schauen können.

Noch bis zum 16. Oktober verwandelt die Bundesgartenschau Koblenz,
bringt die Stadt am Rhein zum Leuchten. Studentenblumen, Wandelröschen,
Petunien und Zinnien bilden vor dem Schloss eine Krone. Am Deutschen Eck
leuchtet blau der Lavendel, dazwischen schieben sich die weißen
Hortensien wie Schaumkronen. „Confluentia“ nennt sich das blauweiße
Farbspiel, eine duftige Interpretation des Zusammenflusses von Rhein und
Mosel. „Was kümmert mich das Wesen Gottes, sieh dir eins seiner
Blumenbeete an, das genügt.“ Paul Klee hatte das gesagt, der Spruch des
Malers steht an einer der Außenmauern des Paradiesgärtleins neben der
Basilika St. Kastor. Der heckenumfriedete „Hortus Conclusus“ ist ein
stiller Ort, wo die Besucher zwischen Blumenrabatten und Wasserbecken zu
sich kommen können und vielleicht wie Klee zum Staunen über die
Schöpfung.
Es gibt viel zu entdecken auf dieser zweigeteilten Gartenschau, die
sogar die Barriere des Rheins überwindet. 20 Kunstinstallationen bringen
Natur und Kultur in einen Dialog, Hunderte von Veranstaltungen Leben in
die Gartenanlagen. Das Konzept scheint anzukommen. Schon vor Pfingsten
wurde die Ein-Millionen-Marke geknackt. Es kommen Besucher aus Bayern
und Baden-Württemberg, aus Sachsen und Hamburg, Engländer, Franzosen,
Japaner und Chinesen. Es kommen Familien mit Kindern, Rollstuhlfahrer,
Schulklassen und alte Leute. Und manche nutzen die blühende Pracht ganz
einfach als Kulisse für die eigene Selbstinszenierung wie das
Hochzeitspaar, das mitten auf der Schlosskrone posiert.

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