Nächste Ausfahrt Skigebiet
Sonntag, 15. Januar 2012
Wohl alles zusammen, war die Meinung der Referenten, die sich auch
darüber einig waren, dass man den Gästen diesen „Mehrwert“ bieten müsse.
„Manches wird sich erst in der Zukunft weisen“, meint Christoph
Eisinger von Ski amadé, das als Vorreiter der digitalen Revolution in
den Skigebieten gilt. Der Ski-Verbund habe sich mit „digital ski amadé“
nur den Herausforderungen der Moderne gestellt und sei dabei, die ersten
Schritte zu machen: „Wir lernen ständig dazu“. 300 000 Euro hat ski
amadé für Wlan und apps hingelegt. Im Vergleich zu 80 Millionen
Gesamtinvestitionen fast schon ein Klacks. Aber ein notwendiger, wie
Eisinger glaubt. Die neuen Möglichkeiten verschafften den Gästen mehr
individuelle Erlebnisse und böten ihnen mehr Komfort. Mit 250 bis 300
„access-points“ habe man –„soviel ich weiß“ - das „größte
zusammenhängende Wlan-Netz alpenweit installiert, berichtet Eisinger
stolz, und man habe durchweg positive Rückmeldungen. Im Mittelpunkt
stehe denn auch der Kundennutzen. So seien in der app alle Infos
zusammengeführt, die interessanten Punkte (POIs) wie Hütten und
Après-Ski-Locations ebenso wie die Pisten. „Das Herzstück unserer app
ist ein Pistenempfehlungs- und Navigationssystem, das die Wintersportler
gemäß ihrer Könnenstufe durchs Skigebiet routet“, erklärt der Manager
und: „Es ist pull und nicht push.“ Jeder könne selbst entscheiden, ob
und wie er das Angebot nütze.
„Der Gast hat das Bedürfnis, sich zu informieren“, ist sich Samuel
Bichsel von der Engelberg-Titlis Tourismus AG sicher. Das Schweizer
Skigebiet ist im Dezember 2010 mit einer eigenen app gestartet,
„destinationsübergreifend“ mit Bergbahnen, Hotels, Gemeinde und
Tourismusorganisation sowie – wo immer möglich – mit Schnittstellen zu
bestehenden websites. Die app ist in drei Bereiche unterteilt und kann
beispielsweise: Wetterprognosen, Veranstaltungen vor Ort, GPS im Sommer
für Wander- und Bikerrouten und im Winter für Winterwanderwege. An
verschiedensten „Spots“ im Skigebiet oder auch im Dorf könne man sich
orten und POIs (points of interest) finden. Der Code, um kostenlose im
Internet zu surfen, wird per SMS übermittelt. Mit dem digitalen
„iSki-Tracking“ lasse sich der Skitag auch nachverfolgen. Hier könne man
sehen, wie viele Kilometer und wie schnell man gefahren ist. „Eine
Spielerei“, so Bichsel, die man aber mit einem Foto vervollständigen und
an Freunde versenden könne. 15 000 Schweizer Franken haben die
Schweizer für die app in die Hand genommen, dazu kommen jährlich 7000
Franken Lizenzgebühren. Eine Investition, die sich auszahlt, glaubt
Bichsel. Man müsse schließlich „mit dabei sein auf dem Markt“.
Das will auch Dolomiti Superski. Der italienische Skiverbund ist zwar
erst in diesem Winter so richtig mit dem mobilen Service gestartet, auch
wenn es die erste Mobi Seite von Dolomiti Superski bereits seit 2008
gibt, war aber vorher stärker im online-Bereich präsent. „Jetzt haben
wir alles auf die app geschaufelt“, sagt Marketing Direktor Gerhard
Vanzi: Wetter, Schneelage, Verfügbarkeit der Zimmer, Routenplaner und
auch die „Check-Performance“ für den Abend, bei der man wie beim
Ski-Tracking in Engelberg die eigene Leistung überprüfen kann. Natürlich
kann auch bei der Dolomiti-Superski-app alles „ge-shared“ werden. „Das
schafft Kommunikation und Mehrwert“, so Vanzi. Zusätzlich hat der
Skiverbund mit „Ski beep“ noch ein „social game“ installiert, bei dem
man Punkte fotografieren und mit Freunden vor Ort austauschen kann. Je
aktiver die User dabei sind, desto höher können sie aufsteigen „vom
einfachen Skifahrer zum König der Dolomiten“. Eine interessante app ist
auch die DolomitiSuperski.AR, eine Art Kompass im
augmented-reality-Bereich, welche die Skifahrern lokalisiert und die
Berge und Lifte mit entsprechenden Informationen in der Nähe anzeigt.
100 hotspots wurden im ganzen Skigebiet eingerichtet, bei Skipassbüros,
Tal- und Bergstationen. Allerdings nicht auf der Piste, das wäre, so
Vanzi, noch zu kostenintensiv. Auch so hat sich Dolomiti Superski die
neue app 300 000 Euro kosten lassen. Hinzu kommen nochmal 80 bis 100 000
Euro fürs Wlan, das nach dem Motto funktioniert „einmal anmelden und
für immer surfen“.
Im Allgäu läuft das etwas anders, erklärt Augustin Kröll von den
Bergbahnen Oberstdorf und Kleinwalsertal, weil die Staatsgrenze durchs
Skigebiet geht. Wegen der unterschiedlichen Rechtssituationen mussten
erst einmal AGB’s formuliert werden, die zu beiden Seiten der Grenze
gelten und die von den Usern akzeptiert werden müssen, bevor sie online
gehen können- kostenlos, versteht sich. Für Kröll ist die 500 000 Euro
teure digitale Aufrüstung, die auch eine komplette Glasfaserverkabelung
des Skigebiets beinhaltet, auch eine Frage der Qualitätssicherung („So
schnell erfährt man sonst nie, wie es ist im Skigebiet.“)und der
Kundeninformation sowie eine Möglichkeit zur Steuerung der Gästezahlen.
Mit einem Punktesystem werden diejenigen belohnt, die nicht zu den
Hauptskitagen ins Allgäu kommen. Am Dienstag etwa könne man die meisten
Punkte einheimsen und habe so die Chance zum Schneekönig gekürt zu
werden und am Ende der Saison mit einem „Hofstaat“ von 40 Freunden
kostenlos zu feiern. Stolz ist Kröll auf die eigens für die „digital
natives“ eingerichtete Blockhütte, wo kostenlose iPads zur Verfügung
stehen – unter Aufsicht, weil sonst die Gefahr bestehe, dass sie geklaut
werden. Auch beim kostenlosen Wlan besteht die Gefahr des Missbrauchs,
weswegen man sich auch im Allgäu erst einmal anmelden muss. Trotz
solcher Ärgernisse ist Kröll davon überzeugt, dass an apps und Wlan kein
Weg vorbei führt. „Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten“, sagt
er, aber: „Wir bleiben weiterhin ein Skigebiet.“
4600 Skigebiete weltweit hat skiresort international getestet, 900
Skigebiete beliefern die Datenbank des Portals, das laut Geschäftsführer
Peter Kraft der „weltweit größte Schneebericht-Lieferant“ ist. Jetzt
hat skiresort international eine app entwickelt und bei apple
eingereicht. Sie zeigt u.a. den Autofahrern das nächst gelegene
Skigebiet auf quasi unter dem Motto „Nächste Ausfahrt Skigebiet“; die
einzelnen Skigebiete lassen sich nach Größe und Länge der Pisten
sortieren. Ein spielerisches Moment darf auch hier nicht fehlen: Wenn
man die app schüttelt, wird immer ein anderes Skigebiet vorgestellt.
Damit den eifrigen Usern im Winter nicht die Finger abfrieren, haben
findige Hersteller schon High-Tech-Handschuhe konstruiert – mit einem
Metallpunkt auf dem Zeigefinger, auf den das iPhone oder andere
smartphones mit Touch Screen reagieren. Und, damit man auch auf der
Piste nie die Orientierung verliert, gibt’s jetzt auch Skibrillen, in
die das Navi praktisch integriert ist. Auch hier öffnen sich „ganz neue
Dimensionen“, meint Gerhard Vanzi und fügt unternehmungslustig hinzu:
„Die Technik kennt keine Grenzen“.
Websites zum Thema:
www.skiamade.com,
www.titlis.ch, www.engelberg.ch,
www.dolomitisuperski.com,
www.das-hoechste.de,
www.skiresort.de
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